Über die Bauzeit beim Massivbau

Massivhaus bauen in Rekordzeit, um Kosten zu sparen?
Bauzeit beim MassivbauNahezu alle Bauherren haben den Wunsch, ihr eigenes Heim schnellstmöglich beziehen zu können. Die Gründe dazu sind vielfältig. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück und die Planung des Hauses haben bereits ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Gedanklich befassen sich seine zukünftigen Bewohner bereits mit der Möblierung und sie sehnen sich danach, endlich vom Wohnzimmer aus den Blick in den eigenen Garten genießen zu können. Es sind aber auch finanzielle Gründe, die eine kurze Bauzeit erfordern, denn der Bau ist eine Doppelbelastung. Für die bisherige Wohnung muss nach wie vor Miete gezahlt werden und für den Neubau fallen inzwischen die monatlichen Ratenzahlungen für den Hauskredit an. Baustrom und Bauwasser sind zusätzliche Verbrauchskosten, die sich bei hoher Eigenleistung und langem Aufenthalt auf der Baustelle durch eine doppelte Haushaltsführung weiter erhöhen. Zu guter Letzt fällt nun auch bereits Grundsteuer an und die für den Bau erforderlichen Versicherungen müssen bezahlt werden.

Massivhaus zu schnell gebaut – Qualität verloren
Schnellstmöglich darf nicht mit dem Verzicht auf Qualität erkauft werden. Das eigene Haus ist eine sehr große finanzielle Investition und deshalb dürfen seine Bauherren keine fragwürdigen Kompromisse eingehen. Immer wieder lassen sich Bauherren von Angeboten verleiten wie „in nur 3 Monaten zum Massivhaus“ oder „wir sind schneller fertig, als Sie denken“. Diese Bauherren sollten sich fragen, wieso solche Firmen schneller sein wollen als andere. Die Antwort ist einfach. Auch die anderen würden das gleiche Haus in 3 Monaten errichten können. Dort liegt nicht das Problem. Sie beachten jedoch die wichtigsten Grundregeln der Bauphysik und Bauchemie und wollen ihre Kunden mit Qualität zufrieden stellen. Nur unsere Urgroßeltern kennen noch die Zeit, in der ein neues Haus „trocken gewohnt wurde“. Seine Mieter bezahlten im ersten Jahr nur den halben Mietzins und sorgten durch ihr Heizen und Lüften dafür, dass der Bau austrocknen konnte. Die heutigen modernen Baustoffe sind zwar viel atmungsaktiver als der alte Mauerziegel und geben deshalb schneller die Baufeuchte an die Umgebungsluft ab. Dennoch braucht jeder Massivbau vorgeschriebene Trocknungsphasen und aus diesem Grund ist eine Bauzeit von 3 Monaten nicht möglich. Es sei denn, der Maler klebt seine Tapete auf den drei Tage alten Innenputz, um nur dieses eine Beispiel zu nennen. Die Bauherren werden mit Schimmel im gesamten Haus belohnt.

Die Notwendigkeit der Bautrocknung beim Massivbau
Das Stichwort heißt Wasser. Das Herstellen der Steine, gleich aus welchem Material, erfordert Wasser. Die Verarbeitung auf dem Bau erfordert Wasser. Das Betonieren der Bodenplatte ebenfalls. Die Geschossdecken und der Innen- und Außenputz ebenfalls. Seit der Produktion der Steine im Werk werden viele tausende Liter Wasser in einem Neubau verarbeitet. Es wird gebraucht, damit die chemischen Vorgänge im Zement und anderen Bindemitteln in Gang gesetzt werden. Dann hat das Wasser seinen Zweck erfüllt und es muss während der vorgeschriebenen Trocknungsphasen wieder entweichen. Vorher dürfen diese Bauteile nicht belastet werden.

Bei der Bodenplatte müssen drei Tage vergehen, bevor sie belastet werden darf.
Der Estrich muss ca. dreißig Tage aushärten, also ein kompletter Monat.
In beiden Beispielen fühlen sich die Oberflächen bereits einen Tag nach der Verlegung trocken an. Die chemischen Prozesse im Beton sind jedoch längst nicht abgeschlossen und eine Belastung würde zu feinen, kaum sichtbaren Haarrissen führen, die sich später zum Reißen des Betons ausweiten. Das Problem des Estrichs verstärkt sich noch, wenn zu zeitig Fliesen, Laminat oder andere porendichte Beläge aufgebracht werden. Sie verhindern völlig das Entweichen des Bauwassers und im schlimmsten Fall kann der Estrich nie vollständig abbinden. Hier finden sich die Beispiele wieder, wenn das Laminat oder der Fliesenfußboden nach Wochen oder sogar Monaten plötzlich „hochgekommen“ ist. Dort wurde in unverantwortlicher Weise zu schnell gebaut.

Hunderte Liter Bauwasser in einem Neubau sind ein beträchtliches Volumen. Entweichen sie während der vorgeschriebenen Trocknungsphasen, tritt also ein Volumenverlust ein. Der Bau „setzt sich“ und verändert sich in seinen Maßen. Wenn auch nur geringfügig, aber mit jeder dieser Maßveränderungen potenziert sich die gesamte Maßabweichung. Bei allen weiterführenden Arbeiten, die vor Ablauf dieser Trocknungsphasen ausgeführt werden, werden also Maßungenauigkeiten akzeptiert. Qualität kann dabei nicht entstehen. Diese Baugeschwindigkeit führt lediglich dazu, dass Türen und Fenster nicht dicht schließen und Undichtigkeiten an der Bauhülle gefördert werden. Jeder Balken, der auf den einen Tag alten Ringanker aus Beton aufgeschraubt wird, quillt und der Beton schrumpft. Ist dieses gesamte System nach abgeschlossener Trockenzeit zur Ruhe gekommen, ist der Übergang zwischen diesen verschiedenen Materialien undicht und es entstehen Kältebrücken, die den Energieverbrauch in die Höhe treiben. Zum Thema „Bautrocknung“ finden Sie auf hausbauberater.de weitere Informationen!

Die Bauzeit beim Massivbau aus technologischer Sicht
Es sind aber auch technologische Überlegungen im Baufortschritt, die eine solche utopisch kurze Bauzeit in Frage stellen. Nicht selten beginnt dabei der Elektriker oder der Heizungsmonteur bereits mit seinen Arbeiten im Keller, wenn das Dach noch nicht einmal eingedeckt ist. Beim nächsten großen Regen geschieht das Gleiche, als wenn diese beiden Handwerker ihren Zählerschrank oder ihre Gastherme im Freien abgestellt hätten. Aber auch, wenn der Dachdecker seine Arbeit abgeschlossen hat, ist die Luftfeuchtigkeit in diesem Keller so hoch, dass jeder Schaltkontakt in der Elektrik und Elektronik korrodieren muss. Heutige Elektroanlagen sind bei sachgemäßer Installation nahezu unzerstörbar. In diesem Fall einer viel zu schnellen Bauweise sind Störungen und Ausfälle vorprogrammiert.

Fazit
Sicher ist der Massivbau mit einer Bauzeit von weniger als vier Monaten möglich. Maßungenauigkeiten, Undichtigkeiten am Bau, Schimmelbildung, Rissbildungen an Fußböden und Wänden sowie schlecht funktionierende technische Einrichtungen sind das Resultat. Sie zu beseitigen, dauert Monate und manches davon ist irreparabel. Qualität am Bau lässt sich nur herstellen, wenn alle technologisch und bauphysikalisch erforderlichen Regeln des Bauhandwerks eingehalten werden. Dies erfordert jedoch ein Mindestmaß an Zeit, das verantwortungsbewusste Handwerker nicht ignorieren. Nur so werden die Bauherren lange unbeschwerte Freude an ihrem eigenen Heim haben.